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Fallstudie I: Hackeschen Höfe, Rosenthaler Strasse 40/41

Die Hackeschen Höfe sind das vermutlich größte zusammenhängende Hofgeflecht Europas.
Mit einer über hundertjährigen wechselhaften, ereignis- und geschichtenreichen Historie und ihrer beeindruckenden Jugendstil-Architektur sind sie ein denkmalpflegerisches und städtebauliches Juwel. Seit ihrer Sanierung 1997 gelten die Höfe in Berlin-Mitte als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Bundeshauptstadt.
Um die Liegenschaft dazu werden zu lassen, galt es, zahlreiche Schwierigkeiten zu bewältigen.

Übergeordnetes Ziel des Redevelopments der Immobilie war die zeitgemäße Wiederherstellung einer urbanen innerstädtischen Atmosphäre an einem Ort besonderer Geschichte und Qualität.


zur Hackeschen Höfe Website

Die Sanierung in Zahlen:

- Sanierung von 16.000m² Gewerbefläche
- 8.000m² Wohnfläche
- Neubau von 23 Dachgeschosswohnungen mit insgesamt 1.600m² Wohnfläche
- Baukosten: Weit über 30 Millionen Euro (65 Mio. DM)
- Einzelvergabe an mehr als 300 vorwiegend regional ansässige Firmen
- 5 Bauleitungen,
- 6 Architekten
- eine Projektsteuerungsfirma

Gleichzeitig mussten die Beeinträchtigungen für die 80 Familien und etwa 35 Gewerbemieter, die sich während der Sanierungszeit in den Höfen aufhielten, so gering wie möglich gehalten werden. Zudem hatte die Sanierung nicht nur soziologische und gesellschaftliche Probleme zu meistern, sondern stellte auch eine enorme technische Herausforderung dar.

Große Herausforderungen

Die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf das Leben und Arbeiten in den Höfen waren erheblich. Durch die Eigentümer wurde das Ziel vorgegeben, die Sanierungsarbeiten in sehr kurzer Zeit durchführen zu lassen. Auf dem engen Areal der Hackeschen Höfe arbeiteten teilweise mehrere Hundert Bauarbeiter unterschiedlichster Gewerke gleichzeitig. Die gesamte Zeit der Baumaßnahmen wurde begleitet von Informations- und Beteiligungsrunden der Betroffenen.
Insbesondere diese im Zeitraum der Sanierungsphase begründete enge Zusammenarbeit zwischen den Investoren, der Denkmalschutzbehörde sowie dem Verein Hackesche Höfe e.V. als Vertreter der Mieter ließ die Sanierung und die neue Nutzungskonzeption zu einer Erfolgsstory werden. Letztere findet in den letzten Jahren nicht nur in der näheren Umgebung der Höfe zahlreiche Nachahmer.
So wirkten die von Investoren auch als Ankerplatz bezeichneten Hackeschen Höfe als Motor für die Revitalisierung eines lange vernachlässigten Stücks Alt-Berlin.

Die Hackeschen Höfe sind zugleich die „Wiege“ der PentaNex GmbH.

Im Anschluss an die 1997 abgeschlossenen Sanierungsarbeiten übernahm die PentaNex GmbH im Auftrag der Eigentümer das Management der Immobilie.
Bis heute sind die Vermarktung des Ensembles und die Verbesserung der wirtschaftlichen Effizienz der Liegenschaft die Hauptaufgaben des aktiven Liegenschaftsmanagements durch die PentaNex GmbH.
Selbstverständlich hält die PentaNex GmbH dabei konsequent an dem auf kulturelle und originär urbane Qualität abzielenden Nutzungskonzept fest – neben der klassischen Objektverwaltung.

Das aktive Liegenschaftsmanagements durch die PentaNex GmbH abseits der klassischen Objektverwaltung

Die PentaNex GmbH sieht sich als Mediator zwischen Eigentümer- und Nutzerinteressen.
Dies geschieht immer zum Wohl der Entwicklung der Liegenschaft. So konnte die PentaNex GmbH beispielsweise aufbauend auf dem regen Engagement und der ideenreichen Mithilfe der Mieterschaft in der Sanierungsphase ein balanciertes und kooperatives Informationssystem implementieren. Bis heute werden in regelmäßigen Abständen Informationen und Nachrichten ausgetauscht und Verbesserungsvorschläge diskutiert und umgesetzt.

Erfolgreiches Nutzungskonzept

Die Hackeschen Höfe bestehen heute aus synergetischen Nutzungsbereichen: Läden, Gastronomie, Kultureinrichtungen, Büros und Wohnungen.

Die zahlreichen Läden in den Hackeschen Höfen bieten Vielfalt auf hohem Niveau hinsichtlich Nutzung und Angebot. Zielsetzung dabei ist eine weitestgehende Vermeidung von Mainstreamkonzepten.
Die für die Läden relevanten Mieter weisen ein individuelles und unverwechselbares Profil auf. Alle Läden sind inhabergeführt und bieten Produkte an, die in den Höfen gestaltet, hergestellt oder weiterverarbeitet werden. Im Interesse der Vielfalt nutzen die einzelnen Läden bewusst Verkaufsflächen, die 100m² nicht überschreiten.

Die gastronomischen Einrichtungen in den Hackeschen Höfen leisten anspruchsvolle Bewirtung für jeden Anlass. Die hier angesiedelte Gastronomie stellt einen Querschnitt sämtlicher Bewirtungserfordernisse dar: Die Palette der Angebote reicht von gehobener Küche über ein Feinkost-Bistro, eine Club-Bar, ein hochwertiges Café und einen Jazz-Club bis hin zum Billard-Salon. Einen besonderen Anziehungspunkt bildet der Starbucks-Flagshipstore, den die Starbucks-Coffee-Kette in ihrem Joint-Venture mit dem Karstadt-Quelle-Konzern im Juni 2002 als ersten deutschen Starbucks-Store eröffnet hat.

Die kulturellen Freizeiteinrichtungen der Höfe richten ihren Fokus klar auf ein anspruchsvolles Publikum. Ein Filmkunsttheater und das Varieté Chamäleon mit internationalem Renommee  werden ergänzt durch ein breites und interessantes Spektrum von Galerien, die über die Stadtgrenzen hinaus ein interessiertes Publikum finden.

Das Büronutzungskonzept bietet Flächen unterschiedlicher Qualität und Größe für Mieter, die „das besondere Ambiente“ wünschen. In insgesamt vier Bauteilen sind Büros von 80m² bis 3.000m² Fläche vermietet worden. Die Nutzer kommen ganz überwiegend aus Branchen, die kreativ-gestaltende Aufgaben haben, wie zum Beispiel Architekten, PR-Agenturen und Internet-Designer. Die Ansiedlung von Rechtsanwälten, Ingenieurbüros, einer Parteistiftung und vielen anderen Nutzungen unterstreicht die Vielfalt der Höfe.

Das Wohnraumkonzept soll urbanes Wohnen mit Lebensqualität verbinden. Es dürfte kaum ein Wohnareal in vergleichbarer zentraler Innenstadtlage geben, das – obwohl tagsüber voller Leben – nachts so viel Ruhe bietet. Die Grundstücksgrenzlage zu einer Kirchengemeinde und zu einem Friedhof, aber auch die nächtliche Schließung des Wohnareals und begleitende Sicherheitsdienstleistungen sorgen für Ruhe.

Die Hackeschen Höfe sind damit ein Modell moderner Stadtentwicklung – solange in der Entwicklungsphase der überdurchschnittliche ideelle, materielle und zeitliche Aufwand nicht gescheut wird, der nötig ist, um die unterschiedlichen Interessen und Ideen von Behörden, Bauherren und Bewohnern, Kultur und Gewerbemietern zusammenzuführen. Hinter der Anziehungskraft, der Vielfalt und der Einzigartigkeit der Höfe steht eine aufwändige soziale, kulturelle und gewerbliche Nutzungsmischung und ein entsprechend gestaffeltes Mischmietmodell, das langfristige Stabilität sichert. Dieses fragile Gleichgewicht will gepflegt sein. Es kippte auch in der fast hundertjährigen Geschichte der Höfe immer dann, wenn eine Nutzung dominant wurde oder wenn die Pflege der Marke aussetzte.